Text:
Andy Radolf
Fotos:
Susi Adler & Heti
Der
Tiroler Sunnyboy und Zimmermann aus Rietz (Lukas:"Alle wollten dass ich
Mechaniker werde, ich wollte aber Zimmermann werden.") hat sich 2012 ziemlich
überragend den MX2 ÖM Titel geholt. Sein Tiroler Landsmann Armin
Rothaupt hat ihm das als Vizemeister hoffentlich nicht allzu übel
genommen (Lukas:"Mit Armin verstehe ich mich sehr gut, da gibt's keine
Tiroler Feindschaft zwischen uns."). Die ersten beiden MX2 ÖM Plätze
gingen also an Tiroler was zeigt dass in dieser bergigen Gegend nicht nur
Schi gefahren und auf Berge gekraxelt wird. Das schöne Tirol hat es
übrigens auch Max Nagl angetan. Max kommt jährlich zu seinem
Buddy Stefan Dirnhofer langlaufen der ihn früher sogar mal trainiert
hat. Auch Lukas begleitete Stefan lange Zeit als Trainer und ist seit einem
Jahr wieder damit beschäftigt Lukas Neurauter schneller zu machen
... Hmmm, ob das nicht vielleicht das Geheimnis von Stefan's überragendem
2012er Jahr war? Stefan Dirnhofer, der Meistermacher?
Lukas, wie war das eigentlich
nach deinem Titelgewinn heuer? Du bist ja danach heuer sogar mit der 350er
in Dechantskirchen in der grossen Klasse 4.ter und 5.ter geworden. Hättest
du dir gedacht dass du mit den grossen Jungs so gut mithalten kannst?
Lukas:"Nach dem vorzeitigen
Titelgewinn der MX2 ÖM in Kirchschlag habe ich mich dazu entschieden
in Dechantskirchen in der grossen Klasse an den Start zu gehen. Es war
dann echt eine Überraschung in Dechantskirchen. Ich hatte davor ja
nur eine halbe Stunde mit der 350er trainiert, damit hätte ich also
nie gerechnet so gut abzuschneiden. Nach dem Titelgewinn gab es natürlich
auch eine grosse Meisterfeier bei mir zuhause in Rietz. Es war toll, es
kamen sehr viele Leute um mir zu gratulieren was mich sehr gefreut hat."
Dann
kam ja auch noch das MXDN, wie verlief dieses Event aus deiner Sicht?
Lukas:"Vor dem MXDN
bin ich in Teutschenthal auch noch den WM-Lauf als Vorbereitung mitgefahren.
Leider hat mir etwas die Fitness dazu gefehlt in Teutschenthal ein gutes
Ergebnis zu bringen. Ich hatte die Woche davor eine 45-Stunden Arbeitswoche
und konnte mich deswegen nicht so ideal darauf vorbereiten. Es war aber
trotzdem ein grosses Erlebnis für mich mit vielen positiven Eindrücken.
Ich war alleine schon beim Herumgehen im Fahrerlager total nervös.
Es war total ungewohnt Herlings und andere Top-Fahrer zu begegnen oder
mit ihnen gemeinsam am Vorstart zu stehen.
Wäre das ein Ziel
wo du mal hinkommen möchtest in ein paar Jahren?
Lukas:"Mal fix in
der WM fahren zu können das wäre natürlich schon cool. Ich
konnte dann leider in Teutschenthal beide Läufe nicht bis zum Schluss
durchfahren. Von der Fitness her war ich gegen Ende der beiden Läufe
ziemlich geschafft und ich wollte kein Verletzungsrisiko vor dem MXDN eingehen,
bin deshalb in beiden Läufen vor dem Ende rausgefahren. Aber solange
ich im Rennen war, war es ok. Die Stimmung in Teutschenthal war auch gewaltig,
es ist ein richtiger Hexenkessel der zu brodeln anfängt sobald die
Fahrer in die Einführungsrunde gehen. Ich bekam richtig Herzrasen
von dem ganzen Drumherum.
Jump über einen der
Kirschlager Table's wo sich Lukas heuer den MX2 ÖM-Titel sicherte
MXDN
Lukas:"Ich war im
Sand nicht so erfahren, habe die Erwartungen deshalb nicht zu hoch gesteckt.
Ich war zwar 2-3 Tage in Belgien auf Sand testen aber das war dann natürlich
zuwenig um mit den Besten der Welt mithalten zu können. Vom ganzen
Drumherum war das MXDN natürlich nochmals eine Stufe höher als
die WM in Teutschenthal. Es ist echt komisch wenn man mit Dungey und Co.
im Fahrerlager steht. Die Leistungen von Herlings und Cairoli waren auch
ein Wahnsinn. Wie Herlings im Sand fährt ist schon fast unmenschlich.
Danach noch Alpencup und
4-Stunden MX in Birkfeld
Lukas:"Nach dem MXDN
bin ich auch noch bei uns zuhause in Rietz einen Lauf zum KTM Alpencup
gefahren und später dann auch noch das 4-Stunden MX in Birkfeld. Mit
Michi Prammer und Michi Schweizer belegte ich dort Platz 3. Es ist in der
Hütte in Birkfeld danach gewaltig zugegangen und ziemlich spät
geworden. Nach Birkfeld war die Saison aber für mich gelaufen. Ich
bin seitdem auch nicht mehr am Motorrad gesessen, habe nur Grundlagentraining
gemacht. Ich werde mich erst am 27. Jänner wieder auf's Bike
setzen wenn ich zum Trainieren nach Italien fahre."
Was machst du eigentlich
beruflich Lukas? Hakelst du auch wie viele KTM-Fahrer bei KTM?
Lukas:"Nein. Ich
bin ganz normal ein Vertragsfahrer von KTM Österreich. Ich arbeite
als Zimmermann bei der Zimmerei von Adi Leitner mit einer 40-Stunden Woche
wie jeder andere auch. Bis Ende März wird aber gestempelt, im Winter
arbeitet man als Zimmermann normalerweise nicht, wäre zu gefährlich.
Mein ganzes Umfeld wollte ja eigentlich dass ich Mechaniker lerne weil
ich ja schon seit meiner Kindheit Motocross fahre aber ich wollte Zimmermann
werden wie mein Papa. Ich habe die Gesellenprüfung auch mit Auszeichnung
abgeschlossen und habe viel Freude an diesem Beruf."
Wieso wollten sie dass
du Mechaniker wirst?
Lukas:"Nun ja, sie
haben sich gedacht dann kann er selber an seinem Bike schrauben und braucht
uns nicht dazu. Den Mechaniker macht aber mein Onkel Manni der bei jedem
Rennen dabei ist. Mein Papa ist natürlich auch immer mit. Zuhause
schraube eh immer ich selber."
Für Lukas war
2012 ein Super-Jahr
Du
warst ja vor Kurzem langlaufen mit Maxi Nagl. Wie hat sich denn das ergeben?
Lukas:"Mein Trainer
im Bereich MX ist ja Stefan Dirnhofer und der hat auch Max Nagl lange Zeit
trainiert. Max kommt Stefan fast jährlich im Winter zum Langlauftraining
besuchen und so hat sich das ergeben dass ich mit Max Nagl und Stefan langlaufen
war. Wir waren in Seefeld, ca. 40 km von mir entfernt langlaufen. Ich betreibe
das Langlauftraining sowieso immer den Winter über, es macht mir sehr
viel Spass. Max hat echt eine Super-Kondi, ich war ihm aber technisch beim
Langlauf etwas überlegen, Max hat ja sonst das ganze Jahr über
mit Schnee nicht soviel zu tun, da haben wir Tiroler bei dieser Sportart
einen Vorteil ;-) Was ich an Max sehr schätze ist dass er mit beiden
Füssen am Boden geblieben ist. Er ist trotz seiner Erfolge überhaupt
nicht eingebildet. Ich habe Max übrigens auch schon von Früher
her gekannt. Mit Stefan Dirnhofer der mich seit einem Jahr wieder intensiv
trainiert verbindet mich auch eine sehr lange Freundschaft. Stefan ist
immer schon von klein auf bei mir dabei gewesen und wir harmonieren auch
menschlich sehr gut."
Hat dir Max erzählt
wie es ihm so bei Honda geht?
Lukas:"Es gefällt
ihm sehr gut dort. Speziell auch mit Bobryshev versteht er sich sehr gut."
Es war ja ein Wahnsinn
dass er im Vorjahr so ein Comeback feiern konnte nach seiner langwierigen
Rückenverletzung, nicht?
Lukas:"Ja und auch
das Glück dass er in so einem Team unterschlüpfen konnte wo er
jetzt ist muss man mal haben. Von den Rückenproblemen war ihm übrigens
beim Langlaufen nichts anzumerken, er ist konditionell verdammt gut drauf."
Was steht heuer am Programm?
Lukas:"Ich werde
heuer sicher wieder die gesamte MX2 ÖM fahren sowie einzelne ADAC
Youngster- und EM-Rennen. Ich werde auch weiter von KTM unterstützt,
das Team bleibt mit Cofain dasselbe. Einzig der Händler mit dem ich
zusammen arbeite hat sich geändert. Dies ist nun KTM Braumandl anstatt
Wolf."
Historischer Moment
in Kirchschlag - Abklatschen nach dem Lauf der Lukas den MX2 ÖM Titel
sicherte
Wie bist du denn zum MX
fahren gekommen?
Lukas:"Der beste
Freund meines Papa's ist Enduro gefahren und hat seinem Sohn eine 50er
gekauft. Natürlich wollte ich auch gleich damit fahren und mein Papa
hat gesehen dass ich mich gar nicht so blöd anstelle. Ich habe dann
in der ganzen Verwandschaft Sponsoren gesucht damit ich meine erste Kinder-MX
bekomme. Onkel, Tanten, alle haben mitgezahlt und so hat es nicht lange
gedauert bis ich tatsächlich eine hatte. Ich habe dann mein erstes
50er MX-Rennen auch gleich gewonnen was eine regelreichte Begeisterung
in der ganzen Verwandschaft und meinem Umfeld auslöste. Die sind alle
richtig narrisch geworden wie man bei uns sagt und so bin ich seitdem in
der MX-Szene drin."
Mit der 350er Kat'l
4.ter und 5.ter in Dechantskirchen in der Open ÖM
Fährst du vor dem
ÖM-Saisonstart auch noch Rennen in Italien?
Lukas:"Ja, ich fahre
ja am 27. Jänner nach Italien trainieren und werde auch einige Rennen
dort zur Vorbereitung zur ÖM bestreiten. Auch das Winter-MX in Frankenbach
möchte ich mitfahren und wenn es sich ausgeht auch eine Woche nach
Belgien fahren um auf Sand zu trainieren. Mein Papa ist da übrigens
immer dabei und unterstützt mich."
Gib uns noch ein paar
Stichworte von dir was Leute so interessieren könnte
Lukas:"Ich bin im
November vorigen Jahres 20 geworden. Meine Lieblingsband sind Linkin Park
und meine Lieblingsfilme sind die von Bud Spencer und Terence Hill. Mein
Club ist der MX Club Rietz. Einen speziellen Dank möchte ich noch
an KTM, Cofain, Braumandl und an allen meinen weiteren Sponsoren loswerden
ohne welche es nicht möglich wäre diese Sportart auf so hohem
Niveau auszuüben." |
Nein, es handelt sich bei diesem
Foto nicht um eine Szene von Django unchained von Quentin Tarantino oder
die Blues Brothers sondern um Max Nagl, Lukas Neurauter und Stefan Dirnhofer
beim Langlauftraining
Max:"Die Ösis
machen mich noch fertig auf Schnee wie die Gas geben ..."
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